Das Klacken ihrer Schuhe auf dem nassen Asphalt wird schneller und schneller;

Adagio weicht Presto, wish you were here weicht thunderstruck und ihre Gedanken folgen der gleichen, unruhigen und kratzenden Tendenz des Geschwinden und Lauten.

Sie wurde schneller, obgleich nicht eines plausiblen Grundes Fundament. Sie wurde nicht schneller um zu entschwinden, einen Abstand zwischen ihr und ihrem Schatten zu erreichen um ihn eines Tages einen entfernten Verwandten und nicht mehr ihren eigenen Namen nennen zu können. Oder vielleicht doch. Denn mit sich selbst zu leben gestaltet sich schwieriger als beigebracht, als selbstverständlich und unangefochten liebevoll. Es muss ja nicht einmal liebevoll und getränkt mit sporadischen Gesten der eigenen Andacht sein. Neutral wäre auch absolut ok. Doch auch das ist Janus in Person.

Heute jedoch lief sie, um den ihr folgenden Blicken einen Eindruck zu modellieren, fein säuberlich zu konstruieren und in der Entfaltung die Lüge zu preisen. Einen Eindruck des gebraucht Werdens. Ein Eindruck der Legitimation. Der gewollten Existenz an Platz a in einer bestimmten Zeiteinhaltung b. Sie musste nirgends sein, niemand wartete aus sie, nur der kleine Spiegel über ihrem Bett der starre, suchende Augen hatte.

Jeder Suchende ist ein Relativ, macht das, was er sich zum Subjekt des Findens zuschreibt, zum fehlenden Teil seines Absoluten und ist nicht eher dieses, bevor er es in den Händen hält. Es ist eine Art selbstverschuldete Knechtschaft, eine implizite Entfremdung und eine projizierte Hoffnung in eine Verschiebung aus seinem Körper.

Sie formt ihre Hände zu einer Halbkugel, zu einer konkaven Schale. Sie schaut sich ihr Werk an. Und genau dort, wo ihre beiden Hände den tiefsten Punkt dieser Sichel bilden, dort wird sich irgendwann eine kleine Kugel einfinden, sich einnisten und die Funktion ihres Herzens übernehmen. Sie wird ihr Blut beschleunigen, der Brust Leben einhauchen und ihr Motor für lange Sekunden sein. Die Kugel heisst Grund.

Bei der Nennung des Subjekts fallen ihre Hände zusammen, der kleine See der Hoffnung sickert durch ihre Finger und versiegt im gierigen Boden. Der Boden, welcher ihr Verräter und Verbündeter ist, und welcher sein Messer gen Rücken gerichtet hat.

Wie gerne würde sie doch einfach gebraucht werden. Wie gerne wäre sie das Begierde eines Suchenden, ein Endposten eines langen Weges und ein Wesen, ohne wessen Existenz die eigene keinen Sinn mehr trug. Wie gerne würde sie sich in die Krümmungen und Biegungen ihres Gegenübers einfinden und dabei das Denken und das die sich an der rechten Hand klammernden Hinterfragung und Verzweiflung, abschneiden, erlösen und in den Himmel entsteigen lassen. Sie möchte alles geben, alles beherbergen und Zerstörerin zugleich sein. Sie möchte nur das, das Alles, denn sonst wäre doch alles umsonst. Sie möchte atmen, nicht hecheln, nicht nach Sauerstoff greifen und dabei stillstehen um die sich schwer zu bereichernde Ressource einzusparen. Sie möchte mit Leidenschaft und liebe atmen, sie möchte, dass der Sauerstoff nicht ihr Herr, sondern sie seine Herrin ist. Sie möchte in sich hineinströmen lassen. Sie möchte nicht kämpfen, sie möchte anziehen, annehmen, sie will begehren und dabei die Begehrenswerte sein. Sie möchte mit Feuer laufen, mit Wasser gleiten, mit Schmerz lachen, und mit Leidenschaft leben. Alles fühlen, sich zerstören lassen doch leben. Leben, so wie es sich ergibt, wie es sich fügt, so wie es Pläne übergeht und Träume zerstört, so wie es Augen öffnet und Räume erschließt, die doch so viel schöner als der Jetzige sind. Denn man kann den Tod nicht besiegen, doch man kann ihn manchmal im Leben übergehen.

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