Berührung der Namenlosigkeit

giphy

 

Sie liefen nebeneinander her. Stumm und besinnt, diese hervorragende Stille nicht mit Nichtigkeiten und stumpfen Wörtern zu beschmutzen.

Es war eines dieser Schweigen, welches nicht durch Wörter befruchtet werden wollte.

Denn es war einer dieser Abende, an welchem man nach draußen gehen musste, auch wenn die Augen schwer vom Tag und die Beine müde waren.

 

Er dachte, es läge an der Luft. Denn mit jedem Atemzug nahm man auf und war wie die Mündung einer Quelle in welcher das Wasser langsam versickerte, sich dem Boden annahm und sich eines höheren Zweckes bereichern konnte. Welches durch meterlange Sedimentschichten sickerte, sich filetierte und am Ende vielleicht den Sinn des Lebens ergründet hat.

Es war Energie, die kleinen Funken, welche mit den bloßen Augen nur schwerlich zu erkennen sind, dachte sie. Die Funken, welche ein leichtes Prickeln auf der Haut hinterlassen. Die Funken, welche stummen Geister hörig werden ließ und welche sich wie Nebel an den Körper schmiegten. Unmittelbar, fordernd und doch keineswegs aufdringlich. Bedacht, triefend vor Absichten und doch implizit.

 

Es war eben einer dieser Nächte, in der alles stimmte und in der alles genau dort war, wo es sein sollte. In eben einer solchen Nacht brauchte es keine Worte. Sie wären lediglich eine Reizüberlastung.

 

Und so liefen sie in die Stille hinein.

Zögerlich, bedacht ihren Hauch der Namenlosigkeit nicht mit Wucht und Eigensinn zu durchbrechen, und als er die Funken sehen konnte wie sie auch seine Quelle, streicht seine Hand ihre. Nur leicht, nur angedeutet, zaghaft, fragend und allein. Er hinterlegte mit keinerlei Äußerung die behutsame Geste. Sein Blick wanderte nicht zu ihr. Suchte keine Zustimmung oder Ermunterung, suchte kein Empören und die feine aber markante Linie auf ihrer Stirn, welche sich in Momenten der Furcht und des Zornes abbildete.

 

Sein Blick lag immer noch auf der dunklen Landschaft, welche sich vor ihnen ergoss und versprechend zurückstarrte. Er wollte sie respektieren, ihr ihren Raum lassen, sich ihrer Gefühle nicht aneignen, sondern mehr sie zur Herrscherin ihrer eigenen machen.

 

Sie lief weiter.

 

Doch ihr Blick lag nicht mehr auf dem Weg, auf welchem zu gehen verlangt wurde, sondern auf ihm. Er merkte es obwohl sich seine Augen nicht in den ihrer spiegelten. Es war die Energie, die sprach. Die ihm erzählte, dass seine Geste auf etwas gestoßen ist, etwas Besonderes, Unaussprechliches. Auf etwas Filigranes. Auf etwas Zärtliches.

 

Er wagte es nicht, dies in ihren Augen zu erkennen. Es war die Ehrfurcht, die ihn in die Knie zwang. Denn er wusste, dass sie in ihm etwas erweckte, was noch nie erweckt wurde. Wessen Existenz er seit seinen ersten bewussten Gedanken infrage gestellt hat, misstraut hat. Es war etwas, was tief bewegte, viel tiefer als sonst etwas im Leben. Und er hatte Angst davor.

 

Sich zu verlieren. Sich hinzugeben. Nicht mehr ohne aufwachen zu wollen. Sich nicht mehr nur mit seinem sondern auch mit ihrem Namen zu nennen. Denn wenn er sie küsste, das wusste er, wurde er zu einem Relativ. Und so auch sie. Eine Symbiose, wessen Bruch in den Tod führte.

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